Die Mausis
Wenn man den Dünkel mal weglässt und aufs Wesentliche schaut, kann man überraschend viele Zustände des Lebens mit einem schlichten Käsevergleich erklären. Zum Beispiel „In einem blauen Mond“, das Debütalbum von Die Mausis, der personell kleinsten und – gemessen an der künstlerischen Kühnheit – gleichzeitig größten Supergroup dieses Landes, bestehend aus Stella Sommer und Drangsal. Wer bei ihrem längst mythisch verklärten ersten und bislang einzigen Auftritt beim Popkultur-Festival 2018 dabei war, hat dieses Duo und seine Gesangsharmonien nie vergessen, wie es nur mit Liedern passiert, die man im Herzen tragen muss, weil sie anderweitig nicht verfügbar sind: Lediglich eine nach der Band benannte EP mit grau getünchten Liedern aus dem erweiterten Themenbereich „Maus“ wurde 2017 veröffentlicht, eine Weihnachtssingle folgte im Jahr darauf.
Nun legen Die Mausis ein Album vor, das all jene tölpelhaft erscheinen lässt, die diese Band als kurzlebige Schrulle mit putzigen Ohren abgetan haben. „In einem blauen Mond“, produziert von Max Rieger, beweist leichthändig, dass dieses Duo so viel mehr ist als eine Novelty-Spielerei. Und alles andere als ein Gimmick-Projekt. Hier schwingen sich zwei Songwriter zur Höchstform auf und zeigen, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Souverän zitieren sie sich durch Pop, Folk und Country, Johnny Cash-Kontrabass inklusive.
Nur eine Milcherzeugnis-Metapher muss hier als Referenz an den Bandnamen sein: „In einem blauen Mond“ ist eine perfekt komponierte, höchst abwechslungsreiche Käseplatte, mit Stücken von fügsamem Schmelz neben salziger Rinde und, Überraschung, kompromissloser Karamelligkeit, wie man sie vom norwegischen Gudbrandsdalsost kennt. Wie das klingt? Exakt so, wie man sich eine sanfte Kollision des Drangsal- und des Stella-Sommer-Universums vorstellen kann.